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Heimat
Wappen Bad Urach

Wappengeschichte Bad Urach

In Gold (Gelb) ein rotes Hifthorn mit blauer Fessel, das Mundstück mit je einer roten, silbernen (weißen) und blauen Feder besteckt. - Flagge: Blau - Weiß (Silber) - Rot.
Die heutige Stadt Bad Urach entstand am 1. Januar 1975 durch den Zusammenschluß von fünf ehemals selbständigen Gemeinden. Am 1. September 1971 hatten sich Sirchingen und Wittlingen der Stadt angeschlossen, am 1. Dezember 1972 folgte Hengen, und am 1. Januar 1975 kam Seeburg dazu. Die neugebildete Stadt, seit 1983 Bad Urach, übernahm das bereits 1316 belegte Uracher Stadtwappen, denn alle Stadtteile waren stets mit der ehemaligen (Ober-)Amtsstadt eng verbunden.

Wappen Hengen

Hengen

In Silber (Weiß) eine bewurzelte grüne Weidebuche.
Die erste schriftliche Erwähnung des in früh-alemannischer Zeit besiedelten Ortes findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1272. Damals schenkte Ulrich, ein Sohn Sifrids von Urach, dem Kloster Offenhausen einen Hof in Hengen. Ein nach dem Ort sich benennendes Adelsgeschlecht ist nicht bekannt. Das Dorf kam entweder 1251 mit Wittlingen oder 1265 mit der Grafschaft Urach als Achalm-Urachscher Besitz samt allen Herrschaftsrechten an Württemberg. Mitte des 14. Jhs. waren die Herren von Sperberseck württembergische Lehensträger im Ort. Seit dem 15. Jh. gehörte Hengen zum Amt Urach. Es bildete im 16. Jh. zusammen mit Gruorn, Rietheim, Trailfingen und Wittlingen das (Unter-)Amt Dienstsiegel von 1939 Seeburg. Nach 1806 war Hengen selbst Sitz eines Unteramts und eines Oberschultheißen, dem die Schultheißereien der fünf genannten Orte unterstanden. 1819 wurde das Unteramt im Zuge der damals durchgeführten Verwaltungsreform aufgehoben. Bei der Auflösung des Landkreises Urach 1938 kam die Gemeinde zum Landkreis Münsingen, wurde zum 1. Dezember 1972 ein Stadtteil von Urach und gehört seitdem zum Landkreis Reutlingen. Seit etwa 1931 führte die Gemeinde das oben beschriebene Wappen. Die Weidebuche erinnert an die ehemalige „Henger Dicke", eine noch im 16. Jh. bestehende ausgedehnte Waldweide, die später gerodet und in Ackerland umgewandelt wurde. Die württembergische Archivdirektion war 1939 mit der Weiterführung des bisher verwendeten Wappens im Dienstsiegel einverstanden. 1956 entschied sich der Gemeinderat für die Ortsfarben Grün-Weiß (Grün-Silber).

Wappen Seeburg

Seeburg

In Rot aus blauen Wellen aufsteigend eine silberne (weiße) Burg mit zwei Zinnentürmen und geschlossenem Tor auf einem blauen Wellenschildfuß.
Das Dorf „Seburc" ist bereits 770 im Lorscher Kodex genannt. Namengebend für den Ort, der als Burgweiler einer mittelalterlichen befestigten Anlage vermutlich auf dem Burgberg zwischen Mühl- und Seetal entstanden ist, war der „Bodenlose See", den der bis ins 18. Jh. aufgestaute Fischbach bildete. 1208 ist erstmals von einem Adelsgeschlecht die Rede, das sich „von Seeburg" nannte und nach seinem Wappen, das drei Wolfsangeln zeigte, ein Zweig der Herren vom Stein gewesen sein muß. Die Herren von Seeburg hatten wahrscheinlich die Ortsherrschaft bis zu ihrem Aussterben um 1400 inne. Die vor 1150 entstandene Burg auf dem Felsen über Seeburg, die das Tal beherrschte, kam vermutlich spätestens in der 2. Hälfte des 14. Jhs. an Württemberg. Der Weiler Seeburg war wohl bis ins 13. Jh. Teil der Grafschaft Urach und ging dann an Württemberg über, dessen Oberhoheit seit dem 14. Jh. nachweisbar ist. Seit der Mitte des 15. Jhs. gehörte das Dorf auf jeden Fall zum Amt Urach. Seeburg war Sitz eines Unteramtes, dem 1487 die Dörfer Wittlingen, Trailfingen und Gruorn, 1514 auch Hengen und Rietheim angehörten. Bei der Auflösung des Landkreises Urach 1938 wurde die Gemeinde dem Landkreis Münsingen, 1973 dem Landkreis Reutlingen zugeordnet. Am 1. Januar 1975 wurde Seeburg Stadtteil von Urach.

Das alte Dienstsiegel, das die Gemeinde bis 1946/47 führte, zeigt den Großbuchstaben S, auf beiden Seiten von einem Lorbeerzweig begleitet. Bei der Wahl des Wappens entschied sich der Gemeinderat im Juli 1947 nicht für einen historischen Bezug, wofür sich die drei Wolfsangeln der Herren von Seeburg angeboten hätten, sondern sie wählte ein „redendes Wappen", das auf den Ortsnamen anspielt. Das Innenministerium von Württemberg-Hohenzollern verlieh das Wappen am 27. Februar 1948.

Wappen Sirchingen

Sirchingen

Von Blau und Silber (Weiß) in Wellenschnitt gespaltener Schild, darüber in goldenem (gelbem) Schildhaupt eine liegende schwarze Hirschstange.
Obwohl der Ort zur älteren alemannischen Siedlungsschicht gehört, ist er erst in einer Urkunde von 1449 sicher belegt. Damals erlaubte Graf Ludwig I. von Württemberg die Trennung Upfingens und Sirchingens von der Pfarrei Gächingen. Das Dorf war Teil der Grafschaft Urach und kam mit dieser zwischen 1254 und 1265 an Württemberg, das seitdem alle Herrschaftsrechte innehatte. Ob die seit 1383 in Sirchingen ansässige und weitverzweigte Familie Blankenhorn ursprünglich dem Adel angehörte, ist unsicher. Ebenso fraglich ist, ob die Burg, deren Reste über dem Ermstal gegenüber der Ruine Baldeck liegen, zu Recht den Namen Blankenhorn trägt. Auch wenn es sich dabei um einen typischen Burgnamen handelt, wurde er vermutlich erst später vom Eigennamen Blankenhorn auf die Ruine übertragen.
Die Gemeinde gehörte stets zum Amt (18. Jh. Oberamt) Urach und darin zum Verwaltungsbezirk „Kirchspiel", seit etwa 1790 bis 1812 zum Unteramt Upfingen und danach bis 1818 zum Unteramt Gächingen. 1938, bei der Auflösung des Landkreises Urach, wurde Sirchingen dem Landkreis Münsingen zugeordnet. Zum 1. September 1971 schloß sich Sirchingen der Stadt Urach an und gehört seitdem zum Landkreis Reutlingen. Den Entwurf für das oben beschriebene Wappen gestaltete Professor Jourdan aus Hayingen. Die Hirschstange erinnert an die lange Zugehörigkeit des Dorfes zu Württemberg, der Wellenschnitt weist auf die Lage des Ortes auf der Wasserscheide zwischen Donau und Rhein hin. Das Wappen wurde am 5. März 1948 vom Innenministerium von Württemberg-Hohenzollern verliehen.

Wappen Bad Urach

Urach

In Gold (Gelb) ein rotes nach heraldisch rechts gerichtetes Hifthorn mit blauer Fessel, das Mundstück mit je einer roten, silbernen (weißen) und blauen Feder besteckt. - Flagge: Blau - Weiß (Silber) - Rot.
Wenn von Herrschaftsverhältnissen in und um Urach berichtet wird, ist die Rede von den Grafen von Urach und von Achalm, die wohl gleicher Abstammung waren. Der Bau der Burg Hohenurach um 1060 stand vermutlich im Zusammenhang mit dem Bau der Burg Achalm, die Graf Rudolf nach dem Tod seines Bruders Egino vor 1050 vollendete. Erstmals „von Urach" nannte sich der um 1080 in der Hirsauer Chronik erwähnte Graf Egino. Nach einer Erbteilung zwischen den Familien Achalm und Urach bildete sich die Grafschaft Urach mit den Mittelpunkten Stadt Urach und Burg Hohenurach aus. Bereits zwischen 1261 und 1265 fiel sie jedoch an Württemberg. Der 1254 als Urkundszeuge genannte Uracher Schultheiß Hermann gibt einen ersten Hinweis auf eine städtisch organisierte Ansiedlung. „Bürger der Stadt Urach" siegelten 1316 bei einem Rechtsgeschäft mit dem Kloster Offenhausen. Die Stadt war Verwaltungssitz des seit der Mitte des 15. Jhs. in seiner ganzen Ausdehnung faßbaren württembergischen Amtes Urach. Nach der Abtrennung der Ämter Münsingen und Pfullingen im 17. Jh. und weiteren Abtretungen 1808 und 1842 wurde das einst so große Amt, seit 1934 Kreis Urach, 1938 schließlich ganz aufgelöst. Die Stadt wurde dabei dem Landkreis Reutlingen zugeordnet.
Das bereits 1316 nachgewiesene Stadtwappen mit dem Jagd- oder Hifthorn an einem Band (Fessel), ist nicht das Wappen der Grafen von Urach, das einen schreitenden Löwen zeigte, sondern hat Ähnlichkeit mit dem der Herren von Neuffen, deren Gründungen Neuffen und Weißenhorn drei Hifthörner führten. Das Rot des Hifthorns und das Blau der Fessel in Gold ist seit dem 15. Jh. belegt. Eine Wappenzeichnung von 1596 stellte das Mundstück erstmals besteckt mit drei Federn in den Farben Rot, Silber und Blau dar. Vermutlich sollte damit der Schmuck der gräflich-württembergischen Helmzier nachgeahmt werden.

Wappen Wittlingen

Wittlingen

In Blau auf silberner (weißer) Zinnenmauer ein goldenes (gelbes) Kreuz, dessen Längs-balken mit einer liegenden schwarzen Hirschstange beheftet ist.
Um 1090 ist „Witilingin" in der Zwiefalter Chronik erstmals erwähnt. Das Dorf muß damals ganz oder teilweise in achalmischem Besitz gewesen sein, denn Mathilde, eine Schwester der Stifter des Klosters Zwiefalten, der Grafen Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm, hatte es als Mitgift erhalten. Ihr Sohn oder Enkel Burkhard, der sich „von Wittlingen" nannte, schenkte seinen gesamten Besitz am Dorf und damit wohl auch an der Ortsherrschaft, die Hälfte der Kirche und einige benachbarte Weiler dem Kloster Zwiefalten. Allerdings entzog er ihm die Schenkung größtenteils wieder und verkaufte Güter und Rechte an Herzog Friedrich von Schwaben. Die Ortsherrschaft war Zubehör zur Burg Hohenwittlingen, die vermutlich Ende des 11. Jhs. bereits bestand. Um 1250 kaufte Bischof Eberhard von Konstanz Burg und Dorf und verlieh beides an Graf Ulrich von Württemberg, womit wohl auch die Ortsherrschaft an Württemberg gelangte. Von der 2. Hälfte des 13. Jhs. bis ins 15. Jh. nannte sich ein niederadliges Geschlecht nach Wittlingen, aber auch Angehörige eines Zweigs der Speth nannten sich seit 1339 nach dem Ort und hatten die Ortsherrschaft wohl bis 1495 inne. Das Dorf gehörte stets zum Amt (18. Jh. Oberamt) Urach und bildete zusammen mit Gruorn, Hengen, Rietheim, Seeburg und Trailfingen ein Unteramt. Nach der Auflösung des Landkreises Urach kam Wittlingen 1938 zum Landkreis Münsingen. Am 1. September 1971 schloß es sich der Stadt Urach an und kam damit zum Landkreis Reutlingen. Das Gemeindewappen erinnert mit der liegenden Hirschstange an die lange Zugehörigkeit zur Herrschaft Württemberg und mit der Zinnenmauer und dem Kreuz an den Reformator Johannes Brenz, der 1548 als Verfolgter auf der Burg Hohenwittlingen Zuflucht gefunden hatte. Das Wappen wurde vom Innenministerium von Württemberg-Hohenzollern am 27. Februar 1948 verliehen.

Quelle

Diese Wappengeschichte stammt aus dem Buch »Wappenbuch - Die Städte- und Gemeindewappen im Landkreis Reutlingen« von Helmut Schepper (Hrsg.) mit der freundliche Zustimmung des Wiedemann Verlags.
Das Buch ist unter den ISBN-Nummer 3980553140 verfügbar.